Gehälter für IT-Fachkräfte - Fortsezung v. Februar 2018

Zu gewissen Zeitpunkten greifen die Medien, und auch die sozialen Kanäle, immer wieder das Thema Gehälter auf. In der Regel geschieht dies, wenn wieder einmal eine Studie zu diesem Thema veröffentlicht wurde. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass das Thema Gehalt in Deutschland ein Mysterium darstellt. Ist dieses wirklich so?

Wie kann ich meinen Marktwert feststellen?

In den Studien wird sehr oft ein Durchschnittwert für ein Gehalt veröffentlicht. Je nachdem wo ich wohne oder arbeiten möchte, wieviel Berufserfahrung ich bereits besitze, hilft mir dieser gemittelte Wert aber nicht weiter. Wie kann also ein Raster zu einer vernünftigen Gehaltsermittlung in der IT aussehen?

  1. Rollenname / Jobtitel

Als erstes sollte ich mich fragen, welchen Jobtitel ich bereits heute innehabe. In einem weiteren Schritt sollte ich feststellen welche alternativen Jobtitel die Unternehmen im Markt benutzen. So benutzt z.B. die

Firma A den Titel: IT-Projektleiter,

Firma B den Titel: Bid Manager

Firma C den Titel: Engagement Manager

Firma E den Titel: Scrum Master

Alle vier Titel können gleiche Arbeitsinhalte beinhalten

 

  1. Inhouse / oder mit Reisebereitschaft

Sollte ich Reisebereitschaft mitbringen, damit ist eine Tätigkeit an verschiedenen Einsatzorten gemeint, so ist es durchaus üblich dieses mit einem etwas höheren Gehalt zu vergüten.

 

  1. Berufserfahrung

Einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Es ist ein Unterschied ob ich eine Berufserfahrung von 2-3 Jahren oder eine Berufserfahrung von +5 oder +10 Jahren mitbringe. Ähnlich wie bei den Beamten honorieren die Unternehmen eine entsprechende berufliche Erfahrung.

 

  1. Wissen

In Abhängigkeit von der Berufserfahrung bringt jeder unterschiedliches Wissen mit. Da dieses Wissen jedoch nur bedingt vergleichbar ist fließt dieses Wissen nur bedingt in das Gehalt ein. Zusätzlich besteht eine Abhängigkeit von gesuchten Qualifikationen. So waren die SAP Spezialisten im Jahre 2013 noch an der Spitze der Durchschnittsgehälter während im Jahre 2017 es die Security Spezialisten waren.

Wenn mir die Punkte 1+2+3 bewusst sind gibt es verschiedene Möglichkeiten seinen Marktwert festzustellen:

  • Einer der öffentlichsten Zugänge zu Gehältern, die im Internet recherchiert werden können, bietet die Beamtenbesoldung. Dieses unterscheidet sich zwischen Bundesbeamten – vergleichbar Konzernen, Beamten des Landes -vergleichbar gehobener Mittelstand und Kommunen – vergleichbar mit Mittelstandunternehmen. Wunderbar kann hier festgestellt werden wie eine Position eingestuft wird. Grundsätzlich gilt: mittlerer Dienst, Besoldungsgruppe A(X), (abgeschlossene Ausbildung), höherer Dienst, Besoldungsgruppe B(X), (abgeschlossenes Studium). Je nach Berufserfahrung (X) erfolgt die Einstufung und ergibt ein höheres Gehalt.
  • Eine erforderliche Reisebereitschaft wird bei der öffentlichen Hand mit entsprechenden Zulagen auf das Gehalt ausgeglichen. Je nach Behörde können diese Zulagen das Gehalt nochmals wesentlich beeinflussen.
  • Eine weitere Quelle bieten die Tarifverträge der Gewerkschaften. Je nachdem ob es sich z.B. um die IG-Metall, die IG BCE – Bergbau und Chemie oder um Verdi oder um die Bankengewerkschaft DBV handelt kann ich hier anhand der Berufsgruppen feststellen, wie IT-Mitarbeiter eingestuft werden. Wenn man sich diese Tarifverträge anschaut wird man Überlappungen feststellen. Diese dienen dazu die entsprechende Berufserfahrung zu spiegeln. Da die Unternehmen sehr oft einem Arbeitgeberverband angehören kommen diese Tarifverträge zur Anwendung.
  • Als letzten Tipp lohnt es sich auch die Gehaltstabellen der größeren Unternehmen zu eruieren. Wie zuvor bereits erwähnt, gehören die größeren Arbeitgeber entsprechenden Arbeitgeberverbänden an. Um eine höhere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Mitbewerbern zu erreichen, werden die entsprechenden Gehaltstabellen zwischen Unternehmen und Gewerkschaft angepasst. Fast in der gleichen Form wie bei den Tarifverträgen sind dort entsprechende Rollen in Abhängigkeit der Berufserfahrung eingestuft. Versuchen Sie z.B. über einen Bekannten, der dort arbeitet, eine solche Tabelle zu erhalten.
  • Der einfachste Weg sind die im Internet verfügbaren Portale wie gehalt.de oder Glasdoor. Da in den meisten Stellenanzeigen der Arbeitgeber aber keine Gehälter veröffentlicht werden, können diese Angaben nach unserer Auffassung nur als „erste Orientierung“ genutzt werden.

Alle diese Recherchen tragen allerdings dazu bei, ein realistisches Bild über „Ihren“ Marktwert zu bekommen. Den größten Fehler den Sie als Bewerber machen können, ist entweder ein zu hohes oder ein zu niedriges Gehalt. Ein 28-jähriger IT-Consultant mit drei Jahren Berufserfahrung und einer Gehaltsvorstellung von 100.000€, wird wegen seiner unrealistischen Vorstellung leider viele Absagen erhalten. Wer einmal zwischen den Zeilen lesen möchte, dem empfehle ich das Interview der Süddeutschen Zeitung mit Klaus Hansen, einem Partner von Odgers Berndtson.

Festzustellen bleibt: Gehalt ist ein Thema, das bewegt. Als Konsequenz veröffentlichen wir als JB smart recruit in fast allen Stellenanzeigen die Gehaltsbandbreite der ausgeschriebenen Position. Wir beraten Sie auch im Rahmen unserer Vermittlung hinsichtlich Ihrer Gehaltsvorstellung. Unternehmen tun sich mit Gehaltsangaben in Stellenanzeigen noch schwer. Nach unserer Auffassung ist es aber nur eine Frage der Zeit, wann Kollegen oder Unternehmen nachziehen.

Ergänzung

Insbesondere größere Unternehmen bieten Ihnen bei einer längeren Berufserfahrung ein Angebot als AT – Mitarbeiter/in (aussertariflicher Mitarbeiter/in) an. Da sich, wie bereits erwähnt, die Gehaltsbandbreiten überlappen ist es sinnvoll nach der Eingruppierung im Tarif nachzufragen. Sehr oft bewegen Sie sich in der gleichen Bandbreite wie Tarifmitarbeiter/innen. Als AT – Mitarbeiter/in haben Sie eine 40 Stunden Woche im Gegensatz zum Tarifangestellten mit einer 38 Stundenwoche.  Der Tarifmitarbeiter bekommt Überstunden bezahlt oder ausgeglichen während sie bei AT-Mitarbeiter/innen abgegolten ist. Ebenso erhalten Tarifmitarbeiter/innen nach Angleichung des Tarifvertrages eine automatische Gehaltserhöhung während Sie als AT-Mitarbeiter vom „Wohlwollen“ des Unternehmens abhängig sind.

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